nachbetrachtung zu den aktionen einiger falscher kritiker_innen des bestehenden zum 3.oktober aus antiautoritaerer perspektive
als ob millionen sexistischer, rassistischer und homopher kampftrinker_innen in von nazis mitentworfener einheitskleidung (stichwort: wiesn-dirndl) und hunderttausende unverkrampfte party-patriot_innen am platz des hitlerputsches nicht schon genug waeren (von den taeglichen zumutungen muenchens einmal abgsehen), wird mensch auch noch von anderem belaestigt, das eigentlich schon laengst auf dem misthaufen der geschichte gewandert ist. Als ob die widerliche feier eines deutschlands nicht schon genug waere, machen sich muenchens autoritaere linke auf, noch ein weiteres am 3.oktober hochleben zu lassen, zum beispiel in einem flyer der sdaj muenchen .
zum titelmotiv erscheint nrk807 jeglicher kommentar ueberfluessig.
in der ueberschrift wird bereits von „uns jugendlichen“ gesprochen. als ob diese ein monolithischer block waeren, in dessen namen eine ideologische gruppe mit ddr-siegel auf ihrem flyer sprechen koennte. da ist bei einigen wohl die (n)ostalgie nach der fdj durchgegangen. Abgesehen von der frage, inwieweit es jugendlich sein soll, mit lenin & co durch die gegend zu laufen. ob mensch mit 16 ein bild von honecker oder kohl („jugend“ministerin und selbsternannte extremismus-expertin kristina schroeder) in seinem_ihrem zimmer haengen hat, ist an sich auch nur noch ein unwesentlicher unterschied. da merkt mensch, wie grosz die kulturelle und ideologische schnittmenge (auch bezueglich des menschenbildes) zwischen autoritaerem marxismus und konservatismus ist. dass dann nach 1990 genug sed-anhaenger_innen zur cdu uebergelaufen sind, sollte niemanden verwundern.
war die ddr doch das idealstaat einer kleinbuergerlichen spieszigkeit und eines typisch „deutschen“ ordnungswahns, in dessen richtung verbitterte ehemalige hitlerjungen nur sehnsuechtig blicken konnten, weil dort gegen punks wenigstens hart durchgegriffen wurde und gammlertum und aehnliches eh nicht geduldet wurde. wer sich in dem neuen nationalen kollektiv nicht einfuegen wollte, wurde bespitzelt und hatte strafen verschiedenster art zu erleiden. in letzter konsequenz wurden alle erschossen, die versuchten dieses kollektiv auch geographisch zu verlassen. aber, wie heiszt es in dem text so schoen, „Schon in der Schule wurde Toleranz und Antifaschismus gelehrt“. um den lernerfolg der jungpioniere und „helden der arbeit“ zu ueberpruefen braucht es keinen pisa-test, ein kurzer blick nach lichtenhagen oder in die saechsische provinz genuegt. der paragraf 151 im ddr-strafrecht, das aequivalent zum §175 StGB (brd), der homosexualitaet unter strafe stellte, wurde erst 1988 abgeschafft. bereits ab 1946. konnten ehemalige nsdap-mitglieder in die sed aufgenommen werden.
in der ddr hat es kostenfreie bildung gegeben. stimmt, im gegensatz zu modernen sekten wie scientology musste mensch nicht fuer die indoktrination marxistisch-leninistischer ideologie zahlen. das deterministische geschichtsverstaendnis traditionell marxistischer lesart rechtfertigte kolonialismus als abkuerzung in den sozialismus und wurde bereits treffend mit einem heimatroman verglichen (vgl. internationalismus, josef hierlmeyer). kostenlose kinderbetreuung gab es auch, damit kein mensch von der fleiszigen arbeit fuer den aufbau des neuen deutschland abgehalten wurde. kostenlose wohnungen auch. hier zeigt sich der vorteil nicht-marktfoermiger preisbestimmung: mensch zahlt fuer seine plattenbauwohnung auch wirklich das, was diese wert ist. und nicht zu vergessen: das „recht auf arbeit“. sonst waere es ja auch zu langweilig geworden. fast alles andere war ja auch verboten.
am ende gibt es dann noch als resumee zu diesem tag:
„Wir sagen, dass der 3.Oktober kein Tag zum feiern ist, es ist der Feiertag der Banken und Konzerne. Mit dem Ende der DDR, werden unsere Grundrechte hemmungslos abgebaut.“
was fuer die sdaj grundrechte sind und ihrer vorstellung vom guten leben ist, wurde ja bereits im restlichen teil des flyers klar. auffaellig im ersten teil des zitats ist wieder das einschieszen auf banken und konzerne, wobei diese ja zum groszteil nicht aus deutschland sind und die vernachlaessigung des ueberall gefeierten deutschen mittelstands (vom anderen schuetzengraben als „schaffendes kapital“ glorifiziert). auch eine kritische betrachtung des konzepts einer „nation“ fehlt gaenzlich. dieses sollte am beginn der neuzeit als herrschaftsprojekt die aus kleinen und kleinsten feudalen einheiten entstehenden nationalstaaten homogenisieren und durch die konstruktion eines anderen als volksfeind („juden“, „zigeuner“..) stabiliseren. verwundern tut dies nicht, wird sich doch allzu oft auf andere voelkische bewegungen, die fuer ihren eigenen staat kaempfen, positiv bezogen (palaestina, kurdistan…). das individuum wird dort– in voelliger uebereinstimmung mit che guevara, der die nukleare vernichtung der usa forderte (in einem kommentar zur kuba-krise) – als unwichtige manoevriermasse und bauernopfer angesehen.
noch durchgeknallter sind eigentlich nur noch die offen auftretenden stalinist_innen vom arbeiterbund zum wiederaufbau der kpd, die mit originalgetreuer fdj-fahne wedelnd die zusammenfuehrung von brd und ddr mit hitlers machtuebernahme gleichsetzen und damit die shoah relativieren. diesen sei an hier ein buendnis mit der bayern-partei empfohlen. ein eigenstaendiges ostdeutschland (unter welcher staatsideologie auch immer) wuerde den preuszischen einfluss auf die weiszwurstfresser_innen jedenfalls deutlich reduzieren.
in diesem sinne:
„Wir wollen das Ende aller Staaten, denn die Logik von Autorität, sei sie faschistisch, sozialistisch oder demokratisch,hält uns seit jeher von der Erfarhung wirklicher Freiheit ab.“ (einem plakat aus diesem jahrtausend entnommen)