„kein vormarsch ist so schwer wie der zurueck zur vernunft.“
–bertolt brecht
diesen ausspruch das wahl-zonenbuergers brecht scheinen sich eine reihe von sich als kommunistisch verstehenden gruppen zur leitmaxime ihres politischen handelns gemacht zu haben. so auch die sdaj, die informelle jugendorganisation der ehemals mit ddr-geldern aufgepumpten deutschen kommunistischen partei. bedenkt mensch das bekannteste ehemalige sdaj-mitglied, dieter bohlen, ist klar, dass hier die erwartungen nicht allzu hoch sein koennen. auch der name, „sozialistische deutsche arbeiterjugend“ reiszt da nix zum positiven raus fuer alle antinational denkenden menschen. genauso wenig wie die verwendung der ausschlieszlich maennlichen form und die positive bezugnahme auf ein angebliches „revolutionaeres subjekt“ .
auch wenn es ideologisch bedingt laufend zu einer unterstuetzung aller moeglichen angeblichen „diktaturen des proletariats“ kommt, nahm die muenchner ortsgruppe immer wieder durchaus richtige politische aktionen in angriff. zum beispiel gegen die bundeswehr und zunehmende militarisierung, gegen abschiebungen und naziaufmaersche. in diesem artikel geht es jedoch um einen der besonders problematischen teilaspekte der politik der muenchner sdaj- ihre positionierung im nahostkonflikt.
dieser beitrag will sich in keinster weise auf die seite dieser oder jener national definierten gruppe stellen, oder gar den scharfmacher_innen zuspielen. daher distanziert sich nrk807 auch von positionen, wie sie aus der muenchner bahamas-fraktion kommen, auch wenn ein artikel auf schlamassel den anstoss fuer diesen text gegeben hat.
doch zurueck zum eigentlichen thema. die sdaj lud, zusammen mit ihrer mutterpartei dkp und unter support seitens der antikapitalistischen linken muenchen (al[m]), am 23.04.2012 ins einewelthaus zu einer veranstaltung mit der dflp (democratic front for the liberation of palestine). dabei handelt es sich nicht um eine x-beliebige gruppe, die sich fuer eine „befreiung“ palaestinas einsetzt (eine diktatur durch hamas&co ist auch nicht besser als der status quo!). auch wenn betont wurde, dass es sich bei der dflp um eine „linke“ gruppe handle (jedenfalls was dieses spektrum darunter versteht, also ml’er), lohnt sich ein blick auf den wikipedia-eintrag der dflp. diese veruebte im jahr 1974 das beruechtigte ma’alot massacre, einen der dunkelsten punkte im bewaffneten kampf gegen israel, der damals eine neue stufe der eskalation darstellte. zwar gab es davor schon eine reihe von bombenanschlaegen seitens dieser gruppe, die geiselnahme und ermordung von ueber 20 (je nach quelle 21-22, zusaetzlich ueber 60 verletzte) schulkindern in der nordisraelischen stadtdurch eines ihrer kommandos war so zuvor jedoch nicht vorstellbar gewesen. als eine einheit der idf die geiselnahme gewaltsam beenden wollte, setzte die dflp granaten und maschinengewehrsalven gegen die schueler_innen ein. bereits zuvor wurden 5 zivilist_innen in ihrem wagen bzw. ihrer wohnung ermordet. danach nahm die militaerische staerke der dflp ab, auch wenn es noch in diesem jahrtausend zu angriffen auf israelische ziele kam, bei denen z.b. 2001 drei mitglieder der idf getoetet wurden.
damit stellt sich die stalinistische trias in eine reiche antisemitische kommunistische traditionslinie. die 3.internationale nutzte oft antisemitische bilder fuer ihre propaganda, die thaelmann-kpd ueberholte die nsdap im verbalen antisemitismus sogar noch dadurch, dass sie diese als „juedische agenten“ (sic!) bezeichnete. zu dieser zeit kam es auch zur gewaltsamen arabisierung der kommunistischen partei palaestinas, die zuvor aus mitgliedern aller moeglichen konfessionellen gruppen kamen, sowohl „arabisch“ als auch „juedisch“ definiert.
zwar gab es in der vergangenheit schon viele aergerliche aktionen von seiten der sdaj-al[m]-dkp,der vortrag im april stellt jedoch einen neuen tiefpunkt in der positionierung der traditionellen leninist_innen in sachen nahostkonflikt dar. zeit, eine diskussion ueber antisemitismus bei sich als „antizionistisch“ verstehenden menschen zu fuehren.