Alle Jahre wieder…

…gehen wir in eine Kirche. Diesmal meint nrk807 jedoch nicht die des Lattensepps, der uns von seinem roemischen Galgen angrinst, sondern die der Demokratie: die Wahl. Viel ist von anarchistischer oder auch linker Seite bereits kritisiert worden, auch nrk807s besondere Freund_innen der Graswurzel“revolution“ haben ein Sonderheft veroeffentlicht (zum Lesen fehlt nrk807 jedoch sowohl Zeit als auch Lust), daher wird es an dieser Stelle auch keinen ausgefeilten Artikel geben. In einer Zeit, in der sogar die SPD in Muenchens Kafe Marat eingeladen wird, kann dieses Spektakel (im Sinne einer Ablenkung von der widerwaertigen Realitaet) jedoch nicht ganz unkommentiert bleiben.

Es geht nicht um persoenliche Verfehlungen von Politiker_innen, Wahlversprechen, moralische Verworfenheit,…das Problem sitzt tiefer. Demokratie ist die modernste, weil in ihrer Form totalitaerste Form des Staates, und damit die natuerliche Partnerin des Kapitalismus, der alle Lebensbereiche durchdringt und weitgehend entpersonalisiert ist. Durch die Illusion von politischer Teilhabe haelt sie viele Menschen in ihrem Bann und ermoeglicht durch eine Bestenauslese und Leistungskontrolle ihrer Bediensteten das reibungslose Funktionieren der Zwangsmaschinerie. Freiheit ist nur Schein, und wer die engen Grenzen dieses Scheins ueberschreitet, positioniert sich ausserhalb des demokratischen Diskurses und wird bekaempft. Durch den Kapitalismus und seine „Sachzwaenge“ werden diese Grenzen klar definiert, was die machtgeilen Dampfplauderer_innen der linken Parteien schnell zu Massnahmen ihrer Konkurrent_innen von rechts greifen laesst, mit minimalen Unterschieden in Details.

Da durch das Spektakel der Wahl, der Einbindung der „guten Buerger_innen“ etc., jedoch eine weitgehende Stablitaet und soziale Befriedung erreicht wurde, ist pure Gewalt bis hin zum Mord als Kampfmittel des Staates (momentan?) nicht in dem Ausmass erforderlich wie zu frueheren Zeiten. Dass sich dies jedoch schnell aendern kann, zeigt die Geschichte durch gezielte Toetungen verwirrter Maoist_innen, die meinten, revolutionaer-militaerische Spezialeinheit spielen zu muessen (auch bekannt als RAF). Der Uebervater Bayerns, Franz Joseph Strauss, wollte Gefangene als Geiseln in regelmaessigen Abstaenden erschiessen lassen, um einen ehemaligen SS-Mann freizupressen. Doch Strauss‘ letzter Schuss ging bekanntlich nach hinten los…

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Im Namen der Tiere- Anrufung des Staates?

Vorbemerkung: Dieser Artikel beschäftigt sich mit Fehlern der Tierrechtsbewegung (auch anhand einiger Beispiele). Dabei wird die politische (s.u.) Strömung der Antispes von der veganen Esskultur strikt getrennt. Der Artikel soll also kein Pladoyer gegen Veganismus an sich sein, sondern gegen eine moralische Überhöhung einer Essgewohnheit gegenüber anderen Arten, sich zu ernähren.

Im Folgenden werden verschiedene Facetten der Antispe-Bewegung kritisiert, um deutlich zu machen, dass sie in der heute maßgebenden Ausformung keine revolutionäre Perspektive bieten kann und eher Teil des Problems als Teil der Lösung ist.
Das Thema Tierrechtsbewegung kann leider nicht in vollem Umfang kritisiert werden, trotz eines vergleichsweise langen Artikels. Zum Weiterlesen empfiehlt nrk807 daher:
Vom Ernten toter Elefanten-die falsche Opposition der Animal Liberation
im englischen Original „The Harvest of Dead Elephants“ erschienen in A Murder of Crows #2, online auf http://theanarchistlibrary.org

Erstens: Religiöse Wurzeln des Denkens
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Und täglich grüßt der NSU

Nach einiger Sendepause meldet sich nrk807 wieder zu Wort und Byte. Doch anstatt des angekündigten Veganismus-Textes geht es diesmal um einen medialen Dauerbrenner. Bevor dieser Blogeintrag entstand, musste daher erst einmal die Frage geklärt werden, inwieweit sich mensch auch noch selbst an dem medialen Spektakel beteiligen will, das seinesgleichen sucht. Die Grenzen zwischen allen politischen Schatterierungen scheinen hier umso deutlicher zu verwischen, und zu tausenden gehen die Menschen in einer an eine Volksfront erinnernden Eintracht auf die Straße.

Es geht, wie könnte es anders sein, um den NSU. Zu den bekannten Fakten um das Trio mit deutlich größerem Unterstüzer_innenkreis wird hier nicht weiter eingegangen, sie sind auch für das eigentliche Thema eher nebensächlich. Ja, es fehlen treffende Worte für die Taten des NSU, aber in einem Alltag, der von Rassismus, staatlicher Unterdrückung, Erfordernissen der Kriegsführung etc. geprägt ist, ist der vom NSU gemachte Unterschied im Grad der „Gesamtscheiße“ marginal.
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Das ist nicht nrk807’s Anarchismus

Wie der neuesten Ausgabe der Graswurzel“revolution“ (Nr. 377, S.4) zu entnehmen war, wird dieses Jahr der Erich-Mühsam-Preis an zwei Verleger verliehen (u.a. Jochen Schmück), um (Zitat)

…den Arbeitseinsatz beider Preisträger würdigen, die die Vorstellungen des Anarchismus „in Wort und Schrift“ unters Volk bringen wollen und sich so als Verkünder einer bessere und menschenwürdigeren Welt betätigen…

ein anderer „Verkünder einer besseren und menschenwürdigeren Welt“, grinst ja immer noch bei jeder nervigen Gelegenheit von seinem römischen Galgen runter, und dessen Ehrung hat die Welt auch nicht gerade besser gemacht. Zum Thema „den Anarchismus in Wort und Schrift unters Volk bringen“ ist es interessant, dass Jochen Schmück vom Libertad Verlag einer der Preisträger ist. Schmück geht schon mal mit anwaltlichen Abmahnungen gegen Ankündigungen von „Raub“kopien seiner Bücher vor, und ihm wurde deswegen vor ein paar Jahren nicht ganz unpassend die Errichtung des „ersten anarchistischen Staates“ vorgeworfen. Nun ist allein schon die Vorstellung eines „anarchistischen“ Preises, der immer eine Form des Wettbewerbs und des hierarchischen Denkens (das Werk von X ist wchtiger als das von Y) ist, ein Widerspruch an sich. Vielleicht wäre es in diesem Fall passender, wenn Schmück den Preis nicht von der Erich-Mühsam-Gesellschaft (EMG), sondern von der GEMA überreicht bekäme (sind ja auch sehr ähnliche Abkürzungen)- die würde sich im „Buddenbrookhaus zu Lübeck“ sicher auch heimisch fühlen.

Die Graswurzel“revolution“ an sich wäre auch eine ganze Reihe von Artikeln (ca. 1 pro Monat) wert, auch wenn nrk807 sich hier leider nur mit einigen wenigen Punkten beschäftigen kann.

Insgesamt erscheint die GWR ähnlich Schrebergärten, die von SpießerInnen betrieben werden, die ihre Spießigkeit in keiner Großstadt in vollem Maße ausleben können (außer vielleicht in München). Akademiker_innen, die ihre Titelgeilheit innerhalb der Uni nicht ausleben können, schreiben unter jeden zweiten Artikel „Dr.“, und manchmal scheint eine akademisch-verschwurbelte Sprache, die mensch nur nach 5 Jahren Literaturstudium (Alternative: 10 Jahre GWR Abo) verstehen kann, das wichtigste Auswahlkriterium für Texte. Der ganze Klientelismus (Redakteurin A rezensiert Buch B von Redakteur C) und die andauernde Selbstbeweihräucherung erinnern zudem an das sich gegenseitige Hochziehen in studentischen Verbindungen (nur dass das bei Dr. Bernd Drücke et al. wohl nicht so auf die Leber gehen dürfte).

Trotz (oder gerade wegen) jahrelangem Studiums herrscht bei der GWR wohl einige Begriffsverwirrtheit vor, und Pazifismus wird oft mit Antimilitarismus oder gar Anarchismus gleichgesetzt. Bürgerlichen wird so mitunter ein Forum geboten, in dem sie auf die Gewaltfreiheit pochen und eine Bestrafung durch den Staat als vorher bekannt und daher in Ordnung, da freiwilliges politisches Opfer ansehen. Wenn mensch sich also an einer Sitzblockade beteiligt, ist das ok, genauso gehört dann aber auch das darauffolgende Gerichtsverfahren dazu. Gerade auch das Pochen auf Gewaltfreiheit in allen Aktionen führt oft zu einer Spaltung in gute , friedlichen Demonstrant_innen, die wie aus einem Findus-Comic entsprungen scheinen, und böse, vermummte steinewerfende Gewalttäter_innen. Dafür braucht es die GWR nicht, das ist bereits Teil des Mainstream. Gegengewalt wird sogar in Fällen, in denen Demokrat_innen diese legitim halten, abgelehnt. In Syrien sind Teile des GWR-Spektrums also getreu dem christlichen Motto „Halte auch noch die andere Backe hin“ dafür, dass sich die Menschen abschlachten lassen.
Zwar würde sich nrk807 insoweit anschließen, dass eine utopische Gesellschaft möglichst gewaltfrei sein sollte, ein Käfig lässt sich aber nun mal nicht dadurch aufkriegen, dass Gitterstäbe weichgestreichelt werden. Wer Menschen beim Aufbrechen ebendieser Stäbe hindern will, handelt wie ein Gefängniswärter und sollte dementsprechend behandelt werden.

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Wenn der Weltuntergang wieder mal auf sich warten lässt…

„Die Apokalypse ist vor allem die Beziehung, die wir zu unserer Zeit haben.[…]Im jetzigen historischen Moment besteht die Apokalypse in einem sehr realen Artensterben, das verbunden ist mit etwas, das man nur als ein religiöses Zeitverständnis bezeichnen kann.

Um die beiden verschiedenen Pänomene auseinander zu halten, können wir die tatsächliche, durch extreme ökologische Zerstörung hervorgerufene Welle des Artensterbens „Biokrise“ nennen, den Begriff der „Apokalypse“ hingegen sollten wir für die vorgestellte Möglichkeit vom Ende der Welt reservieren. Die Biokrise ist das Wahre im apokalyptischen Falschen.“
-aus: „Dealing with distractions“(dt: „Einführung in die Apokalypse“)

Im Jahr 1 nach dem Ende des Maya-Kalenders (1 AMC) könnt ihr euch über weitere Texte freuen, u.a. warum die häufigsten Antworten auf die Biokrise (Grüner Kapitalismus, bewusster Konsum, Veganismus autoritärer Ausrichtung…) falsch sind.

PS. Wie euch evtl aufgefallen sein dürfte, verwendet nrk807 jetzt postapokalyptische Rechtschreibung in Einklang mit dem Duden. nrk807 wurde heute nacht äußerst unsanft geweckt und unter der Drohung, sonst ein lebensgroßes Lafontaine-Portrait übergrezogen zu bekommen, dazu gezwungen.

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die institutionalisierung des kampfes

zur kritik des anarcho-syndikalismus

eine antwort auf „die militarisierung der revolte“ (direkte aktion 214, nov/dez 2012).
dieser artikel ist erst am 30.12. online auf der website des fau-zentralorgans „direkte aktion“ einsehbar, mutmaszlich um die verkaufszahlen der printausgabe zu foerdern. der genaue inhalt ist auch nicht weiter von belang, hoechstens zur eigenen belustigung. es reicht hier bereits der untertitel:

„Zur Kritik des Insurrektionalismus: Der Trend zu „aufständischen“ Theorien ist kein Zeichen einer Renaissance des Anarchismus, sondern Symbol seiner aktuellen Schwäche “

anders als es dieser titel vermuten laeszt geht es jedoch nicht um eine kritische auseinandersetzung mit theorien, die von insurrektionalist_innen vertreten werden und was ja an sich auch begrueszenswert waere, sondern um eine kritik des kassenschlagers „l’insurrection qui vient“ (dt: „der kommende aufstand“).
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tag der lebenden leninist_innen

nachbetrachtung zu den aktionen einiger falscher kritiker_innen des bestehenden zum 3.oktober aus antiautoritaerer perspektive

als ob millionen sexistischer, rassistischer und homopher kampftrinker_innen in von nazis mitentworfener einheitskleidung (stichwort: wiesn-dirndl) und hunderttausende unverkrampfte party-patriot_innen am platz des hitlerputsches nicht schon genug waeren (von den taeglichen zumutungen muenchens einmal abgsehen), wird mensch auch noch von anderem belaestigt, das eigentlich schon laengst auf dem misthaufen der geschichte gewandert ist. Als ob die widerliche feier eines deutschlands nicht schon genug waere, machen sich muenchens autoritaere linke auf, noch ein weiteres am 3.oktober hochleben zu lassen, zum beispiel in einem flyer der sdaj muenchen .
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einige gedanken zu den aktuellen fluechtlingskaempfen

+++ENGLISH VERSION BELOW+++

„Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“
-dem cheftotengraeber der russischen revolution, w.i.uljanow („lenin“), zugeschrieben

dieser artikel befasst sich mit den fluechtlingsprotesten der letzten monate, die in einem hungerstreik in wuerzburg ihren anfang nahmen, sich jedoch immer mehr ausdehnten. schwerpunkt ist hier weder eine genaue chronologie der ereignisse, eine aufschluesselung nach einzelnen protest-orten noch eine beschreibung der elenden zustaende und der daraus resultierenden forderungen. Dies wurde an anderer stelle bereits ausfuehrlicher und besser getan. vielmehr geht es um die frage der legitimitaet der protestformen. zuerst jedoch ein kurzer exkurs in verschiedene widerstaendige bewegungen der letzten jahre in anderen laendern, die bisher kaum mit den aktuellen protesten in deutschland in verbindung gebracht wurden:

nachdem zwei migrantische jugendliche von den bullen in den tod getrieben wurden, gab es 2005 in den franzoesischen banlieues umfassende krawalle. der widerschein tausender brennender autos machte jegliche naechtliche straszenbeleuchtung ueberfluessig.

die ermordung des 15-jaehrigen alexis grigoropoulos in exarchia/athen(dez 2008) loeste noch am selben tag riots im ganzen land aus. fuer die insass_innen griechenlands besteht hoffnung, dass sich ihr gefaengnis nie ganz von den reaktionen erholen wird, auch wenn sie sich mittlerweile noch mit ganz anderen problemen konfrontiert sehen.
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living death row

though the odds seem overwhelming most of the time
the point to start is lost and there is little hope it will ever be found
given the chance it ever existed
the days and years are passing by without change
my alienated self may be lost in a matter of a few ticks
not significant for the fate of this god-forsaken planet
he world has no need for martyrs nor messiahs

time and again the same thoughts of despair
driving like iron swords through both body and mind
leaving nothing but pain and the feeling of loneliness
bringing passivity to me to ensure everything will stay tomorrow
as it has already been yesterday

money in exchange for life
the grey gentlemen would cherish its currency rate
consumption of whatever deceitful ads promise to you
the glitter of gold cannot replace the warmth of collective living
based on solidarity, equality and mutual understanding
the bars of our prison are invisible
and we ourselves the jailors
in the land of the blind kafka was king

what is left to fight for?
by now, 24 winters have passed
and with them most illusions of solace
the utopian dream
in absence of hope perhaps the only thing o live for -how bitter the irony- is death
there won’t be any pie in the sky
no choir of seraphim
nor scores of virgins
not to mention the ultimate penalty of rebirth

i could embrace the final darkness
and lose what is left of me
or shit upon the heavenly cookies
trying to steal them from volatile life

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palaestinensischer fruehling???

„kein vormarsch ist so schwer wie der zurueck zur vernunft.“
–bertolt brecht

diesen ausspruch das wahl-zonenbuergers brecht scheinen sich eine reihe von sich als kommunistisch verstehenden gruppen zur leitmaxime ihres politischen handelns gemacht zu haben. so auch die sdaj, die informelle jugendorganisation der ehemals mit ddr-geldern aufgepumpten deutschen kommunistischen partei. bedenkt mensch das bekannteste ehemalige sdaj-mitglied, dieter bohlen, ist klar, dass hier die erwartungen nicht allzu hoch sein koennen. auch der name, „sozialistische deutsche arbeiterjugend“ reiszt da nix zum positiven raus fuer alle antinational denkenden menschen. genauso wenig wie die verwendung der ausschlieszlich maennlichen form und die positive bezugnahme auf ein angebliches „revolutionaeres subjekt“ .

auch wenn es ideologisch bedingt laufend zu einer unterstuetzung aller moeglichen angeblichen „diktaturen des proletariats“ kommt, nahm die muenchner ortsgruppe immer wieder durchaus richtige politische aktionen in angriff. zum beispiel gegen die bundeswehr und zunehmende militarisierung, gegen abschiebungen und naziaufmaersche. in diesem artikel geht es jedoch um einen der besonders problematischen teilaspekte der politik der muenchner sdaj- ihre positionierung im nahostkonflikt.

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